Kohle oder Klimakanzlerin

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„Und ihr seid wirklich für Kohle-Energie?! Oh Gott, dass kann ich einfach nicht verstehen, wirklich nicht!“ - Solche und ähnliche Reaktionen gab es am vergangenen Samstag in der Göttinger Innenstadt, als die Ehrenamtlichen von Greenpeace Göttingen einen fingierten Pro-Kohle-Stand neben ihrem großen Anti-Kohle-Stand setzten.

In 62 Städten bundesweit haben Greenpeace-Gruppen am vergangenen Samstag einen Aktionstag veranstaltet mit dem Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich klar für den Kohleausstieg in Deutschland zu bekennen. „Frau Merkel, Klima- oder Kohlekanzlerin?“. Dabei wurden Unterschriften für einen offenen Brief an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gesammelt, mit der Aufforderung die ältesten und schmutzigsten abzuschalten, keine weiteren Subventionen für  Kohlekraftwerke zu gewähren und den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten.

Mit dem ironisch gemeinten Slogan, „Weil wir gerne Kohle scheffeln“ hatten sich einige Ehrenamtliche aus Göttingen an einen separaten Infostand gestellt. In Blazer und Anzug statt grüner  Jacke erregten sie mit provokanten Äußerungen die Aufmerksamkeit der Passanten. Die Antwort vieler Göttinger auf die Frage der Anzugträgerinnen, was sie von der Kohle halten, war meist ein Kurzes „Nicht viel!“ Nach kurzem Gespräch wurden die Leute an den Greenpeace-Stand verwiesen. Die Jüngsten konnten sich am Stand eigene Buttons selber gestalten und herstellen.

Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger weltweit. Ein Kohlekraftwerk produziert dreimal soviel CO2 wie ein modernes Gaskraftwerk, gemessen an der Menge des dabei gewonnenen Stroms. Das Klimagas gelangt über die Schlote in die Atmosphäre und treibt die globale Erderwärmung an. Die Vestromung von Kohle ist nicht nur giftig für das Klima, sondern auch für den Menschen, denn die Kraftwerke setzen Stoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide und Ruß frei. Diese dringen als Feinstaub tief in die Lunge ein und können Asthma, Herzinfarkt und Lungenkrebs verursachen. Auch krebserregende Schwermetalle gelangen durch die energetische Nutzung von Kohle ins Grundwasser und in Speisefische. Die Hälfte aller Quecksilber-Emissionen der Bundesrepublik stammen aus den deutschen Braunkohlekraftwerken der großen Stromanbieter. Quecksilber ist hochgiftig, in der EU wird jedes Jahr bei über eine Millionen Säuglingen eine erhöhte Quecksilberkonzentration im Blut gemessen. Im keinem anderen Land weltweit wird soviel Braunkohle gefördert wie in Deutschland, Tendenz steigend. In den nächsten Jahren sind neue Tagebaue in der Lausitz und im rheinischen Revier geplant, obwohl die Energiewende längst eingeleitet wurde.

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, seine CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren (zu 1990). Nur wenn die Bundesregierung jetzt den Ausstieg aus der Kohle vorbereitet und die Erneuerbaren Energieträger konsequent ausgebaut werden, kann dieses Ziel erreicht werden.
 

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