Demo FridaysForFuture 15.03

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Unser Redebeitrag bei der Demonstration von #FirdayForFuture am 15.03 in Göttingen.

Aber lesen Sie selbst:

 

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Hallo zusammen! Schön, dass wir so viele sind!

Ich bin Mira und hier bei Greenpeace Göttingen aktiv.

Ich möchte heute darüber reden, was Klimawandel eigentlich mit Migration und Vertreibung zu tun hat.

 

Die Klimakrise ist kein Problem in der fernen Zukunft,

sondern bedroht schon heute Menschenleben!

 

Schon heute verlieren weltweit Menschen durch die Klimakrise ihr Zuhause. Nach dem Internal Displacement Monitoring Center in Genf wurden zwischen 2008 und 2015 pro Jahr durchschnittlich 25,4 Millionen Menschen durch klima- und wettterbedingte Katastrophen aus ihrer Heimat vertrieben. Das sind etwa doppelt so viele Menschen wie diejenigen, die vor Krieg und Gewalt fliehen mussten.

Sofort kommen uns dabei Bilder der Verwüstung durch Wirbelstürme in den Kopf, wie beispielsweise der Taifun Haian, der im November 2013 große Teile von den Philippinen in ein Trümmerfeld verwandelt hat. Dabei starben gut 6000 Menschen und rund 900.000 wurden vertrieben. Oder nehmen wir einen Wirbelsturm in Bangladesch im Jahr 2016, bei dem mehr als 500.000 Menschen evakuiert werden mussten. Auch katastrophale Überflutungen sind immer wieder in den Nachrichten. So haben beispielsweise bei einer Flut in Afghanistan im April 2014 über 5000 Menschen ihr Zuhause verloren. Während an der einen Stelle oder zum einen Zeitpunkt zu viel Wasser da ist, ist es wann anders oder wo anders zu wenig. Denn wer kennt nicht die Bilder von Dürren in Ländern wie Äthiopien, bei denen der Boden so sehr austrocknet, dass er aufreißt, das Vieh stirbt und die Menschen keine Landwirtschaft mehr betreiben können. Es entstehen Hungersnöte und viele Menschen migrieren vom Land in die Städte, in der Hoffnung, dort besser über die Runden kommen zu können.

Tatsächlich bleiben die meisten durch Naturkatastrophen vertriebenen Menschen Binnenflüchtlinge. Sie überqueren keine Staatsgrenzen, sondern fliehen innerhalb des eigenen Landes. Und man kann auch nicht sagen, diese eine Person ist „nur“ wegen dem Klimawandel geflohen – es gibt nicht die „Klimaflüchtlinge“. Aber die Klimakrise spielt in sehr vielen Fällen mit rein und verstärkt massiv Probleme – sie bringt also oftmals das Fass zum Überlaufen!

Das alles trifft vor allem und besonders stark die Menschen, die zum Beispiel durch Armut sowieso schon verwundbar sind. Aber auch wir, in den „reichen“ Ländern können uns nicht allen Auswirkungen entziehen. Wer versichert ist und sich auf eine starke Wirtschaft verlassen kann, verkraftet Schäden damit bisher leichter. Doch auch in unserer Gesellschaft können sich das nicht alle Menschen leisten und Versicherungen warnen vor den immensen Schäden, die auf uns zukommen – irgendwann stößt auch hierzulande die Kapazität, das abzufangen, an ihre Grenzen.

Wirbelstürme sind verheerend für kleine Inselstaaten, treffen aber auch ein Industrieland wie die USA hart. Griechenland, Spanien, Kanada, Australien, Russland, Schweden – sie alle hatten in den letzten Jahren zunehmend mit enormen Waldbränden zu kämpfen. Auch in Deutschland ächzte im letzten Jahr die Natur und die Landwirtschaft unter dem extrem trockenen Sommer. Und ich habe viele getroffen, sie sich nur noch bedingt über das warme Wetter freuen konnten.

Für uns ist all das scheiße/schlimm, für andere Menschen Existenzbedrohend.

Damit kommen wir zur Frage der Klimagerechtigkeit. Schließlich leiden die Menschen am meisten unter der Klimakrise, die am wenigsten zu ihr beigetragen haben. Und das sowohl räumlich als auch zeitlich. Also ganz konkret die Menschen, die nicht in Industrieländern leben, und die junge Generation. Was folgt daraus? Diejenigen, die am meisten zum Klimawandel beigetragen haben und auch heute noch von der Zerstörung unseres Planeten profitieren, sind in der Pflicht ihr Verhalten endlich zu ändern. Gerade sie müssten wirksamen Klimaschutz betreiben und Betroffene entschädigen. Das wird nicht von alleine passieren, also müssen wir es immer wieder und immer stärker einfordern. Und für uns als Bewegung heißt es auch, sich mit Menschen auf der ganzen Welt zu verbünden und auch von ihren Kämpfen zu lernen.

Wir sehen, die Klimakrise zwingt Menschen ihr Zuhause zu verlassen. Es fliehen vor ihr mehr als vor Krieg und Gewalt. Und trotzdem gibt es international immer noch keinen Schutzstatus für diese Menschen. Wer vor politischer Verfolgung oder Kriegen flieht, hat zurecht Anspruch auf Schutz und einen Aufenthaltsstatus in einem sicheren Land.
Die Klimakrise ist die größte Bedrohung unserer Zeit. Ist es dann zu viel verlangt, auch diesen Betroffenen einen entsprechenden internationalen rechtlichen Schutz zu gewähren?

Um all diese Folgen auf ein halbwegs beherrschbares Maß zu begrenzen, darf die globale Erwärmung 1,5 Grad nicht überschreiten. Wie der letzte IPCC-Bericht sagt, ist dies mit sofortigen und umfassenden Maßnahmen gerade noch möglich. Ganz grundsätzlich lohnt es sich um jedes 10tel Grad zu kämpfen. Jedes 10tel Grad begrenzt die Folgen. Jedes 10tel Grad rettet Menschenleben!"

 

Mira Jäger, Greenpeace Göttingen am 15.03.2019