Arktisschutz an der Zapfsäule

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In 20 Städten, darunter auch Göttingen, haben am Samstag ehrenamtliche Greenpeace-Aktivisten gegen Shells geplante Arktis-Ölbohrungen protestiert. Die Umweltschützer haben direkt an der Tankstelle Infomaterial verteilt und die Zapfsäulen mit Proteststickern beklebt. Damit setzten sie bundesweit ein Zeichen gegen die Zerstörung der Arktis. Shell hatte am Donnerstag grünes Licht für Brobebohrungen bekommen.

Wir waren am Samstag zum dritten Mal in diesem Jahr an den Shell-Tankstellen in Göttingen, um die Kunden zum einen über die gefährlichen Pläne von Shell zu informieren und um Druck auf Shell aufzubauen. Diese hatten am Donnerstag eine eigeschränkte Genehmigung des US-Innenministeriums erhalten, wonach Shell mit sogenannten "Top-Hole"- Bohrungen obere Schichten des Meeresbodens für spätere Ölbohrungen vorbereiten durfte. Die Genehmigung wurde trotz fehlender Zulassung für ein Notfall-Schiff durch US-Küstenwache ausgestellt. Arctic Challenger, die für Notarbeiten nach einem Unfall ausgerüstet wird, wird somit während des Beginnes der ersten Bohrungen nicht vor Ort sein.

Ölunfälle bedeuten für das sensible Ökosystem der Arktis ein gewaltiges Risiko. Nach Expertenmeinung gibt es zur Zeit kein wirksames Verfahren zur Schadensbegrenzung eines größeren Ölunfalls in der Arktis. Aufgrund der speziellen Bedingungen (Kälte, Eis, Dunkelheit) ist eine Bergung extrem kompliziert und würde langfristige Schäden für die Arktis mit sich bringen. Das Tankerunglück der "Exxon Valdez" vor rund 23 Jahren ist dafür ein mahnendes Beispiel: Noch 23 Jahre später sind Spuren des Unfalls vor der Küste Alaskas allgegenwärtig.
 

Shell bekommt Probleme nicht in den Griff

Bereits die Vorbereitungsphase für die Ölbohrungen ist von massiven Problemen überschattet worden. Den ursprünglichen Starttermin für Bohrungen Anfang Juli musste Shell immer weiter nach hinten verschieben - nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Zulassung für die Arctic Challenger. Um das Zeitfenster für die Bohrungen zu vergrößern, versucht Shell eine Verlängerung der Bohrgenehmigungen zu erwirken, die am 24. September (Tschuktschensee) und am 31. Oktober (Beaufortsee) auslaufen.

Der Termindruck erklärt sich auch aus der Höhe der bislang von Shell getätigten Investionen. Rund 4,5 Milliarden Dollar hat das Unternehmen in das Arktis-Projekt gesteckt. Als einer der ersten großen internationalen Ölkonzerne macht Shell die Ausbeutung der Arktis damit zu einem neuen Hauptgeschäftszweig. Insgesamt vermuten Experten etwa 90 Milliarden Barrel Öl (1 Barrel = 159 Liter Öl) in der Arktis, davon allein vor der Küste Alaskas 20 Milliarden Barrel.


 

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