Zur Antarktis da entlang

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Am 27. Januar hat Greenpeace Göttingen in der Innenstadt Unterschriften gesammelt. Das Ziel: Ein antarktisches Schutzgebiet, welches das Weddellmeer vor industrieller Großfischerei schützen soll. „Wieso sollen wir denn die Antarktis und das Weddellmeer schützen?“ „Alter, da gibt es Eis und es ist fantastisch schön! Reicht das nicht?“ Ja, wieso eigentlich? Und was hab ich damit zu tun? Ich wohn doch hier in Deutschland. Genau! Und gerade deswegen können wir unsere Möglichkeiten nutzen! Jeder einzelne hat mehr damit zu tun, als er sich vielleicht vorstellen kann. Und jeder einzelne kann auch mehr zum Schutz dieses einzigartigen Ökosystems beitragen, als er sich vielleicht vorstellen kann!

 

Hintergrund: Das Weddellmeer

Das Weddellmeer – benannt nach Weddell, einem britischen Kaufmann und Robbenjäger *1787 liegt an der Ostküste an der Antarktischen Halbinsel und grenzt im Norden fast an Feuerland und den atlantisch-indischen Rücken. Im Westen ist es bedeckt von Packeis und im Süden von einer mehrere 1000 Jahre alten und bis zu 1500 m dicken Eisschicht. Allein diese Eisschicht kann uns wissenschaftlich sehr viel über die Erdgeschichte verraten, indem man Bohrkerne analysiert. Doch der Klimawandel macht der Antarktis und den sie umgebenden Meeren zu schaffen, wie der Abbruch eines etwa 5.800 km² großen Stücks des Larsen-Eisschelfs im Juli 2017 deutlich vor Augen geführt hat. Mehr als drei Viertel der weltweiten Süßwasservorräte sind in den Eismassen des Festlands gebunden. Dort, wo zwischen dem 50. und 60. Breitengrad das eiskalte Polarwasser unter das warme nördliche Wasser sinkt, befindet sich die biologische Grenze, die sogenannte „Antarktische Konvergenz“. Von hier wird nährstoffreiches Wasser bis in Äquatornähe transportiert – eine wichtige Grundlage für das reiche Leben in tropischen Gefilden.

Im Weddellmeer leben rund 14.000 Tierarten in ganz unterschiedlichen Lebensgemeinschaften. Meeresbiologen vergleichen die Artenvielfalt des Südpolarmeeres deshalb mit der Diversität tropischer Riffe. Seit der Entdeckung des Weddellmeeres im Jahr 1823 hat es in dieser Meeresregion bedingt durch die nahezu unschiffbaren Eisverhältnisse nie eine kommerzielle Fischerei gegeben. Es ist damit eine der letzten, fast unberührten Regionen der Antarktis, in der das natürliche Gleichgewicht bisher erhalten blieb.

Die Meere rund um die Antarktis sind zudem die einzigen Regionen der Weltmeere, die noch nicht massiv durch Industrielärm belastet sind. Wale, Pinguine und Robben können dort noch ungestört fressen, um Kraft zu sammeln ohne die ständige Lärmbelästigung, die sie orientierungslos, gestresst und infolgedessen krank macht und zum Geburtenrückgang beiträgt.

 

Viele der höherentwickelten Tiere leben vom Krill, einer etwa sieben Zentimeter langen Garnelenart. Der Krill ist ein zentraler Baustein im Nahrungsnetz der Antarktis, ohne den viele andere keine Überlebenschance hätten: Pinguine, Seevögel, die meisten Robben, aber auch Wale und Fische.

 

Jetzt zu uns

So unverzichtbar Krill in der Antarktis ist, so ersetzlich ist er für die Wirtschaft: Er landet als Futter in Aquakulturen oder in Omega-3-Fettsäure-Pillen für den menschlichen Verbrauch in der Drogerie. Doch ein gesundes Ökosystem in der Antarktis ist der menschlichen Gesundheit weit zuträglicher als irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel: Wie alle Ozeane schenkt uns das Südpolarmeer frischen Sauerstoff und bindet klimaschädliches Kohlenstoffdioxid.

Um an Omega-3-Fettsäuren zu gelangen, braucht man keinen antarktischen Krill. Oliven-, Mandel- oder Nussöle tun es auch. Oder Nüsse an sich! Fisch muss man auch nicht aus der Antarktis fangen. Es gibt genügend heimische Alternativen wie Forelle, Karpfen oder Zander. Einfach den Greenpeace-Fischführer fragen!

Die Klimaerwärmung macht auch der Antarktis zu schaffen. Das Schmelzen von Eis führt zur Erhöhung der Meeresspiegel, wodurch jetzt schon viele Menschen auf der Flucht sind. Die wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Dadurch kommt es insgesamt zu mehr Wasser in der Atmosphäre, was zu stärkeren Regen- und Schneefällen und Stürmen führt. Wie ein vergleichsweise „harmloser“ Orkan wie Friederieke ganz Deutschland lahm legt haben viele auch in ihrem eigenen zu Hause mitbekommen. Missernten kommen hinzu. Heute sind bereits ca. 200 Mio. Menschen sogenannte Klimaflüchtlinge!

 

Jeder einzelne kann mit seinem täglichen Leben dafür sorgen, möglichst wenig zur Klimaerwärmung beizutragen. Es gibt zahlreiche Internetseiten mit Tipps, wie man seinen CO2-Fußabdruck verkleinern kann. Eine Möglichkeit ist beispielsweise die häufigere Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch im Bereich der Wirtschaft die Umlagerung des Transports von der Straße auf die Schiene.

 

Auch das Thema Plastik und Mikroplastik hat viel mit der Antarktis zu tun! Plastik was auf dem Festland in der Natur landet, gelangt über Flüsse ins Meer. Seevögel, marine Säugetiere, Fische, Schildkröten und auch der Krill nehmen es versehentlich auf, es verstopft ihren Magen und sie verhungern. Und auch Mikroplastik, z.B. aus Kosmetikartikeln, gelangt über das Abwasser ins Meer, weil die Kläranlagen es nicht herausfiltern können. Dies wird von Kleinstlebewesen im Meer aufgenommen und gelangt als Futter in den Fisch und mit ihm auf den Teller. Plastik wird aus Erdöl gewonnen. Auch das schadet schon bei der Erdölgewinnung der Umwelt.

Was können wir tun? Kein Plastik verwenden sondern Alternativen, nur das einkaufen, was man wirklich braucht, Plastik nicht in die Umwelt gelangen lassen sondern recyclen oder verbrennen und die Abgase filtern.

 

Das Weddellmeer gehört zu den letzten, nahezu unberührten Regionen der Antarktis - gerade auch weil Fischfangflotten bisher einen Bogen um dieses Gebiet gemacht haben. Schon jetzt steht der Antarktische Kontinent unter Schutz, und außerdem das Rossmeer. Das ist ein Anfang, aber bisher stehen erst 10 % der Landflächen und nur 1 % der Meere weltweit unter Schutz. Meere brauchen Schutzzonen in denen sich die Bestände erholen können! Fast die Hälfte unseres Planeten ist bedeckt von Ozeanen, die der gesamten Menschheit gehören. Diese Meere sind „Gemeinsames Welterbe“ –  wir müssen sie bewahren.

 

Die Antarktis-Kommission CCAMLR muss 2018 für ein Schutzgebiet im Weddellmeer stimmen – nur so kann die Gesundheit dieses einzigartigen Ökosystems und der darin lebenden Tiere gewährleistet werden.

 

Unterstütze auch du den Plan für ein Meeresschutzgebiet in der Antarktis. Schreib der Antarktis-Kommission CCAMLR, dass du den Schutz des Weddellmeeres vor der Fischereiindustrie forderst!

https://www.greenpeace.de/kampagnen/antarktis#machmit